Zur CeBit 2011 verkündete AVM ein spannendes Vorhaben. Da die Fritzbox des Herstellers bereits in vielen Haushalten rund um die Uhr online sei, verfolge man die Idee in die Hausautomation einzusteigen. Hurra, dachte ich mir damals, endlich nimmt sich ein namhafter Hersteller dieser Thematik an, und endlich wird es eine massentaugliche und hoffentlich auch einigermaßen erschwingliche Lösung geben. Im Anschluss an die CeBIT 2011 kristallisierte sich ein etwas genaueres Bild heraus. AVM plante auf der Fritzbox eine Implementation von FHEM zu betreiben (ein Open Source Programm zur Verwaltung von Geräten zur Home Automation). Der Fokus des FHEM Projektes liegt dabei auf Geräten der FS20 Spezifikation von Contronics. Den FHEM-Server für die Hausautomation bietet AVM aktuell in einer FRITZ!Box 7390-Laborversion. Auch für ältere Fritzbox Modelle gibt es eine inoffizielle Installationsanleitung. Meiner Meinung steckt AVM allerdings in Sachen Home Automation und Massentauglichkeit noch in der Entwicklungsphase, denn die komplette Lösung vermittelt dem unbedarften Anwender eher das Gefühl eines Bausatzes. Contronics bietet zwar gute Module die neben dem bloßen Schalten auch ausgelesen werden können und somit Verbrauchsdaten übermitteln (Temperatur/Stromverbrauch etc.), aktuell würde ich die Lösung aus genannten Gründen noch nicht einsetzen wollen. Trotzdem lohnt es sich ein Auge auf die Entwicklung dieses Projektes werfen.
Mittlerweile gibt es aber neben den Experimenten von AVM vielversprechende Ansätze und Lösungen, die kein teures BUS System oder gar eine Neuverkabelung des Heimes voraussetzen.
In meinem Fall sollte eine Heimautomation vor allem eines können, schalten. So möchte ich gerne das Licht einschalten können, das Garagentor öffnen, die Heizung evtl. sogar temperaturbasierend ein und ausschalten und auch die Rollläden müssten gesteuert werden. Das ganze möchte ich gerne von zu Hause und auch von unterwegs durchführen können, am besten über den Browser oder eine schicke iPhone App. Darüber hinaus sollte eine Lösung neben dem bloßen schalten auch Gerätedaten übermitteln können, also bspw. Verbrauchsdaten wie die aktuelle Temperatur oder den Stromverbrauch eines angeschlossenen Gerätes. Eine der mir bekannten Lösungen möchte ich in diesem Artikel vorstellen. Die genannten Lösungen (sowohl die experimentelle AVM als auch die nachfolgend vorgestellte Lösung) haben eines gemeinsam, sie bestehen aus Sensoren die spezifische Informationen an das System senden (Thermometer, Lichtschalter, Bewegungsmelder, Dimmer etc.), Aktoren (Steckdosen, Schalter, Rolladen-Motoren etc.) die Befehle vom System entgegennehmen und umsetzen sowie einer Sende und Empfangseinheit, die das ganze System steuert. Teure Lösungen (in diesem Artikel nicht berücksichtigt) bedienen sich für diese Aufgabe des Europäischen Installationsbus (EIB), der in Punkto Kosten eindeutig den Rahmen sprengt und somit in diesem Artikel nicht berücksichtigt wird. Um trotzdem einzelne Geräte, die naturgemäß im gesamten Haushalt verteilt sind, steuern zu können ohne dafür eigens Kabel zu verlegen, bedienen sich die hier vorgestellten Lösungen handelsüblicher Funksteckempfänger verschiedener Hersteller, die im Bereich 433.92 MHz arbeiten und in vielen Haushalten bereits vorzufinden sind.
Meinen Favoriten in diesem Bereich liefert die schwedische Firma Telldus Technologies. Die Schweden waren mir vor der Internetrecherche zum Thema preiswerte Heimautomatisierung noch kein Begriff und sind hierzulande, wenn überhaupt, nur bedingt wahrzunehmen. Meiner Meinung zu Unrecht, denn Telldus Technologies bietet mit dem Tellstick das Herzstück einer kompletten Heimautomatisierung zum Preis von gerade einmal 59 Euro an (Tellstick). Dafür bekommt man einen USB Stick der es in sich hat. Auspacken, Software installieren und Stick mit dem Windows PC oder Mac verbinden und schon geht’s los! Der Stick ist in der Lage eine Vielzahl von Funksteckdosen zu steuern. Der Hersteller bietet dazu eine beeindruckende Kompatibilitätsmatrix. Für unseren Test mussten wir keine neuen Steckdosen anschaffen, da unser 5 Jahre altes Set problemlos verwendet werden konnte. Für alle die ein neues Set anschaffen wollen, Platzhirsch auf dem Funksteckdosenmarkt ist sicherlich die Firma Intertechno, die natürlich auch problemlos vom Tellstick gesteuert wird. Einmal installiert führt die Software Telldus Center durch einen intuitiv bedienbaren Assistenten, der den Anwender an die DIP Schalter der Fernbedienung erinnert. Geradezu überwältigend ist dabei, dass nahezu alle erdenklichen Funksteckdosen bebildert und mit Ihren individuellen Einstellmöglichkeiten
aufgeführt werden.
Einmal eingerichtet können die einzelnen Funksteckdosen vom lokalen Rechner gesteuert werden. Das ist alleine schon toll, aber doch eher als Spielerei zu werten. Spannend wird das ganze durch den kostenfreien Cloud Service, den Telldus Technologies dem Produkt als Gratis Dreingabe verpasst. Damit ist es möglich die konfigurierten Geräte von überall auf der Welt ein und aus zu schalten. Das ganze funktioniert sowohl über das Webportal des Herstellers, (http://live.telldus.com/) als auch über die zugehörige iPhone / iPad App. Bezogen werden können die Produkt unter anderem über http://www.everen.de/ . Natürlich wird der TellStick nicht allen meinen Wünschen gerecht. Die einfache Version TellStick , kann nur Schalten, doch der Hersteller ist am Ball. Neben dem USB Produkt TellStick plant er eine Netzwerkedition, die verglichen mit dem USB Stick auf einen eingeschalteten PC / Mac verzichten kann und nicht nur als Sender sondern ebenfalls als Empfänger (z.B. für Verbrauchswerte und Temperaturen) dienen kann. Sobald dieses Produkt verfügbar ist werden wir es an dieser Stelle vorstellen!
Fazit: Absolute Begeisterung, bleibt zu Hoffen, dass der Hersteller das Produkt zu einem Erfolg machen kann und weitere Anwendungsgebiete erschlossen werden! Wenn die Netzwerkedition mit einer Guten Software und der Cloud Integration kommt, bin ich überzeugt, dass Telldus Technologies bald an Bekanntheit gewinnt …



